Damit sich ein Kind mit einer Sehbehinderung, Blindheit oder Sehmehrfachbehinderung bestmöglich entwickeln kann, braucht es Entwicklungs- und Lernangebote, die an seine individuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten angepasst sind. Ebenso wichtig ist die ganzheitliche Begleitung der Entwicklung in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Kommunikation und Sprache, Denken, Spiel, Emotionalität und Sozialverhalten.
Gemeinsam mit den Eltern und Bezugspersonen schaffen wir förderliche Rahmenbedingungen, die dem Kind ermöglichen, seine Umwelt zu entdecken, aktiv zu werden und möglichst selbstständig am Alltag teilzuhaben.
SEHEN und SICHTBAR – aber auch FÜHLBAR und BEGREIFBAR – machen steht bei uns im Mittelpunkt.
Für wen?
Wurde bei einem Kind eine Sehbehinderung, Blindheit oder Sehmehrfachbehinderung festgestellt, können Eltern pädagogische Sehfrühförderung beantragen. Dafür brauchen wir einen augenärztlichen Befund.
Auch wenn noch keine Diagnose vorliegt, Eltern oder Bezugspersonen jedoch Auffälligkeiten im Sehverhalten eines Kindes beobachten, kann ein kostenloses Erstgespräch und Erstabklärung in Anspruch genommen werden.
Zeigt Ihr Kind Auffälligkeiten im Sehverhalten?
Mögliche Hinweise können beispielsweise sein:
- Ihr Kind nimmt nur selten oder sehr kurz Blickkontakt auf.
- Es greift nicht oder nur selten gezielt nach Gegenständen oder greift häufig daneben.
- Es reagiert wenig auf visuelle Reize oder Lichtquellen.
- Es reagiert empfindlich auf Licht oder ist schnell geblendet.
- Es stößt häufig an Gegenstände oder stolpert auffallend oft.
- Es hält den Kopf beim Betrachten von Personen oder Gegenständen häufig schief oder nimmt eine ungewöhnliche Kopfhaltung ein.
- Es zeigt wenig Reaktion auf Gesichter oder ein soziales Lächeln.
- Es zeigt auffällige Augenbewegungen oder ein Augenzittern.
- Es schielt häufig oder über einen längeren Zeitraum.
- Es bewegt den Kopf beim Betrachten von Gegenständen auffällig hin und her.
- Es vermeidet über längere Zeit Tätigkeiten im Nahbereich oder zeigt dabei rasch Ermüdungserscheinungen.
Ab welchem Alter?
Pädagogische Sehfrühförderung kann das Kind von Geburt bis zum Schuleintritt begleiten. Eine möglichst frühe Unterstützung ermöglicht es, die individuellen Entwicklungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten des Kindes von Beginn an gezielt zu berücksichtigen.
Pädagogische Sehfrühförderung zu Hause und im Lebensumfeld des Kindes
Die pädagogische Sehfrühförderung findet vorwiegend im häuslichen Umfeld statt, dort wo das Kind lebt und lernt. Zu Hause, in der Spielgruppe, im Kindergarten oder im sehsam werden je nach Bedarf Fördereinheiten angeboten. Dadurch können wir gemeinsam mit dem Kind, den Eltern und weiteren Bezugspersonen unmittelbar dort ansetzen, wo Unterstützung im Alltag benötigt wird. Fördermöglichkeiten können so direkt in alltägliche Situationen eingebunden und nachhaltig genutzt werden.
Pädagogische Sehfrühförderung umfasst
- Beobachtung und Einschätzung des funktionalen Sehverhaltens im Alltag
- Förderung und gezielte Nutzung des vorhandenen Sehvermögens
- Low-Vision-Beratung und -Training
- Beratung und Begleitung im Umgang mit optischen und Sehhilfen
- ganzheitliche Entwicklungsbegleitung
- Förderung von Wahrnehmung, Motorik, Kommunikation und Sprache, Denken, Spiel, Emotionalität und Sozialverhalten
- Anregung und Einbeziehung unterschiedlicher Sinnesbereiche
- Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwirksamkeit
- Förderung von Orientierung, Mobilität und Selbstständigkeit
- Beratung zur sehbehinderten- bzw. blindenspezifischen Gestaltung und Anpassung der Umgebung
- Auswahl und Anpassung geeigneter Spiel- und Fördermaterialien
- Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten und größtmöglicher Selbstständigkeit im Alltag
- Beratung, Anleitung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen
- interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Diensten, Fachstellen und Institutionen
- sehbehinderten- und blindenspezifische Begleitung von Inklusion und Teilhabe
- Begleitung von Übergängen, insbesondere in Spielgruppe, Kindergarten und Schule
- schulvorbereitende Maßnahmen
- Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Gemeinsam mit der Familie möchten wir Bedingungen schaffen, die Entwicklung, Selbstständigkeit und Teilhabe bestmöglich unterstützen.